Was ist die Absicht des Bodyscan?
Wie in der gesamten Vipassana-Praxis ist auch beim Bodyscan das letztliche Ziel Einsicht – eine Einsicht, die es uns ermöglicht, die wahren Bedingungen von Glück und Unglück in unserem Leben zu erkennen. Diese tiefen inneren Erkenntnisse sind jedoch nicht auf kognitivem Wege (durch „Nachdenken“) zu erlangen. Wir müssen dazu neben dem Geist auch den Körper erforschen, denn in ihm spiegeln sich all unsere unbewussten inneren Muster wider, die
uns vom Glücklichsein abhalten.
Der Bodyscan ist eine Achtsamkeits-Übung bei der die Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Bereiche des liegenden Körpers gerichtet wird.
Dabei registriert der Übende sorgfältig und achtsam alle auftauchenden inneren Erfahrungen. Achtsam deshalb, weil es dabei um mehr als reine Aufmerksamkeit geht; es ist vor allem die freundliche Weise, mit der diese Erforschung durchgeführt wird.
Und es geht darum, diese Freundlichkeit ausnahmslos allem Wahrgenommenen entgegenzubringen, denn während des gedanklichen Abtasten des Körpers
tauchen nicht nur angenehme, sondern bisweilen auch unangenehme Empfindungen, Gedanken oder Gefühle auf.
Zudem nimmt man die Erscheinungen während des Bodyscan-Übens wertfrei zur Kenntnis (ein Merkmal der Achtsamkeitspraxis).
Das heißt: wir üben uns darin, dem, was im Bewusstsein auftaucht, mit unerschütterlichem Gleichmut zu begegnen – unbeeindruckt von der Tendenz unseres Kopfes, die
Dinge als falsch oder richtig, gut oder schlecht zu etikettieren.
Auf welche Weise trainiert der Bodyscan den Geist?
Während des systematischen Körperscannens tauchen Körperempfindungen auf, aber auch Gedanken, innere Bilder, Gefühle und Impulse. Viele dieser Erscheinungen sind durchaus angenehm. Aber manche können lästig oder sogar ausgesprochen schwierig sein. Das ist völlig normal. „Normal“ ist auch, dass wir diese unangenehmen Erscheinungen am liebsten ignorieren möchten.
Wir würden sie gerne zum Verschwinden bringen oder zumindest etwas kleiner machen. Diese Strategie verfolgen wir gewöhnlich auch im Alltag, wenn
es schwierig wird. Aber solche inneren Widerstände vergrößern Probleme häufig, denn die Vermeidungsstrategien ziehen oft weitere Probleme nach sich
und vor allem lösen sie das Grundproblem nicht.
Der Geist lernt ein anderes Programm
Im Bodyscan verfolgen wir genau die entgegengesetzte Strategie. In vollem Bewusstsein begegnen wir allen angenehmen und unangenehmen Erfahrungen mit freundlicher Aufmerksamkeit. Weder haften wir an Angenehmem an, noch schieben wir Unangenehmes weg.
Achtsamer, stiller Beobachter werden
Wir lernen durch den Bodyscan, stiller Beobachter dieses ewigen Entstehens und Vergehens zu sein – ohne automatisch darauf zu reagieren, ohne uns damit zu identifizieren oder uns davon überwältigen zu lassen.
Die gleichermaßen freundliche Hinwendung zu angenehmen und unangenehmen Erfahrungen bringt noch eine weitere Entspannung in unser Leben, indem sie uns tiefer mit einer Tatsache des Lebens in Kontakt bringt: Alles geht vorbei. Wir wissen das, aber im Bodyscan wird es zu einer verkörperten Erfahrung. Wir erfahren, dass Angenehmes und Unangenehmes ganz natürlich zum Leben dazugehören, und das beides nicht ewig währt, sondern sich in
einem beständigen Wandlungszustand befindet.
Wie wirkt sich der Bodyscan auf den Körper aus?
- Der Fokus auf den Körper bringt uns ins Hier und Jetzt, denn der Körper hat nur einen Ort: hier! und nur eine Zeit: jetzt!
- Verbesserung der Beziehung zwischen Gehirn, Geist, Körper und Verhalten.
- Zuwachs an Sensibilität für die Signale des Körpers; seine Botschaften besser verstehen und bei Ungleichgewichten frühzeitig ausgleichen können.
Auf diese Weise schärfen wir unser Bewusstsein dafür, was wir wirklich brauchen (und was nicht). - Schulung der Konzentrationsfähigkeit, die wichtig ist, für die tiefe innere Erforschung in der sitzenden Einsichtsmeditation.
- Reduzierung von Reaktivität: Wir springen nicht gleich auf jeden Reiz an – eine Fähigkeit, die uns auch in schwierigen Alltagssituationen von Nutzen ist.
- Die vorurteilsfreie Wahrnehmung aller angenehmen und unangenehmen Empfindungen macht auf Dauer gleichmütiger und gelassener.
- Die Sinne werden trainiert, was eine intensivere Genussfähigkeit nach sich zieht.
- Das gleichmütige Gewahrsein auf den Körper kann Heilungsprozesse günstig beeinflussen.
